Herforder Tischler machen mit „Seesternen“ auf Meeresverschmutzung aufmerksam
Futterhäuschen und Sterne aus Holz an Geisternetzen: Delphinschutz-Vorsitzender Sigmar Solbach freut sich über Unterstützung
„Die Tischler aus Nordrhein-Westfalen haben die Menschen mit vielen pfiffigen Ideen rund um die Geisternetze sensibilisiert“, freut sich Sigmar Solbach, Schauspieler und Vorsitzender der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. Auf der Messe „boot“ in Düsseldorf überreichte Udo Knake vom Obermeister-Trio der Tischler-Innung Herford ihm verschiedene Holzprodukte, die auf das schwierige und wichtige Thema aufmerksam machen.
Der Tischlermeister und ehrenamtliche Ausschussvorsitzende für Öffentlichkeitsarbeit beim Fachverband Tischler NRW hatte neben dem Futterhäuschen mit Geisternetz-Aufhängung, das er mit Gestaltungsberater Hans Christoph Bittner und Pressereferent Jens Südmeier von Tischler NRW für das WDR2-Weihnachtswunder in Paderborn erfolgreich umsetzen konnte, auch noch seine in Ostseeschlamm eingefärbten „Seesterne“ im Gepäck.
Holzsterne mit Ostseeschlamm eingefärbt
Aufgrund der Initiative der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e. V. wurden die Geisternetze, die kurz zuvor aus 40 bis 50 Metern Tiefe aus der Ostsee vor Rügen geborgen worden waren, unmittelbar vor der Weihnachtswunder-Aktion nach Ostwestfalen transportiert, sodass sich die Tischler-Innung Herford ganz spontan zum Lager und Verteilzentrum der Netze entwickeln konnte. Auszubildende haben in der überbetrieblichen Lehrwerkstatt in Bünde sogleich nach der regulären Arbeitszeit aus den großen Netzen noch fleißig Aufhängungen herausgeschnitten. Als nachhaltiges i-Tüpfelchen wurden Holzsterne als zusätzliche Spenden-Objekte ausgefräst und mit Ostseeschlamm, der bei der Reinigung der Netze mit einem Hochdruckreiniger auf dem Betriebsgelände der Möbelfabrik Knake angefallen war, eingefärbt. Udo Knake erinnert sich: „Alle Besucher an unserem Stand direkt vor dem Paderborner Dom, denen die Geschichte hinter den Futterhäuschen und der Färbung der Seesterne erläutert wurde, waren interessiert – und nicht umsonst sind die Futterhäuschen und Holzsterne wie geschnitten Brot für Spenden über die Theke gegangen.“
Massive Verschmutzung der Meere
Sigmar Solbach, der insbesondere mit seiner Rolle als Dr. Stefan Frank, dem „Arzt, dem die Frauen vertrauen“ bekannt wurde, kennt die gefährlichen Auswirkungen der Geisternetze: „In allen Meeren gibt es auch deshalb massive Probleme mit der Verschmutzung.“ Nach Schätzungen seiner Delphinschutz-Organisation, die 1991 von Weltenbummler Rollo Gebhard gegründet wurde, töten jedes Jahr 6,4 Millionen Tonnen dieser in den Meeren herumtreibenden Fischernetze mehr als 136.000 Seehunde, Seelöwen, Delfine, Wale, zusätzlich Millionen Vögel, Schildkröten, Fische und noch viel kleinere Organismen, die für das Ökosystem unter und über Wasser notwendig sind.
Außerdem werden Geisternetze aus Plastik über Jahrhunderte in kleine Teilchen zersetzt. Die Auswirkungen der Mikroplastik auf Tiere und Menschen sind indes noch schwierig einzuschätzen. Udo Knake betont: „Nicht zuletzt auch deshalb möchten wir Tischler mit Spendenaktionen die Bergung von Geisternetzen unterstützen.“